stay at home during the corona crisis

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"Meine Covid-Gäste"

Zu Beginn des Corona-Lockdowns wandelte ich unserer Wohnzimmer in ein provisorisches Atelier um, für den Fall, dass ich nicht mehr in mein Atelier gehen kann. Nach kurzer Zeit beschäftigte mich nicht nur die Tatsache, dass ich nicht mehr aus dem Haus gehen soll, sondern auch dass niemand mehr zu mir nach Hause kommt. Niemand, der mich besucht und mir erzählt, wie es geht und was das Leben so tut. Und niemand, der fragt, wie es mir geht und was sich in meinem Leben tut. Da hatte ich den Drang, mir Gäste zu kreieren.

 

Bei meinen täglichen, kurzen Spaziergängen im Wald nahm ich grosse Äste und kleinere Baumstämme mit, welche auf dem Boden lagen. Aus den Schränken holte ich Tücher: Vorhänge, Bettüberzüge, Tischtücher, Kopftücher, Bettdecken. Mit diesen Materialien modellierte ich meinen ersten Gast. Ich war sehr erfreut über dessen Anwesenheit. Es kamen weitere vier Gäste auf Besuch. Gäste kommen und gehen auch wieder. Deshalb wollte ich sie festhalten. Eine Erinnerung an meine Gäste erschaffen. Festhalten, was ich über sie und mich erfahren habe. Ich begann sie zu porträtieren. Öl auf Leinwand. Diese Zeit des Malens vertiefte meine Beziehung zu meinen Gästen. 

 

Es entstand die Installation «Meine Covid-Gäste»: 5 Covid-Gäste und die jeweiligen Porträts. 

2020